Die Norm EN 407:2004 definiert die Anforderungen für Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken.
- Standardisiertes Piktogramm, das es ermöglicht, das Schutzniveau gegen Kontaktwärme, Flammen und Strahlungswärme schnell zu erkennen
- Verpflichtende Tests zur Messung der Entflammbarkeit, der Kontaktwärme bis zu 500°C sowie der Beständigkeit gegen Spritzer von geschmolzenem Metall
- Informierte Auswahl der PSA je nach Branche (Metallurgie, Glasindustrie, Schweißen), um Verbrennungsunfälle deutlich zu reduzieren
Mit sechs im Labor getesteten Leistungsstufen erleiden jedes Jahr tausende von Arbeitern schwere Verbrennungen, die mit der richtigen Ausrüstung hätten vermieden werden können.
Dennoch tragen viele Handschuhe, die angeblich vor Hitze schützen. Die Realität ist einfach: Nicht alle Hitzeschutzhandschuhe sind gleichwertig.
Diese Norm existiert genau aus diesem Grund: um zuverlässige Ausrüstung von solcher zu unterscheiden, die weder Metallspritzern noch längerem Kontakt mit heißen Oberflächen standhält.
Für QHSE-Verantwortliche, PSA-Einkäufer oder Fachkräfte, die täglich Hitze ausgesetzt sind – wie Schweißer, Gießer oder Glasarbeiter – wird das Verständnis dieser Zertifizierung unverzichtbar.
Sie garantiert, dass Ihre Teams von einem echten, wissenschaftlich geprüften Schutz profitieren. Dieser Leitfaden erklärt die Testkriterien im Detail, entschlüsselt die auf Ihren Handschuhen aufgedruckten Piktogramme und zeigt auf, was Hersteller häufig nicht erwähnen. Sie lernen außerdem, das passende Leistungsniveau für Ihre Tätigkeit zu wählen, ohne für unnötige Eigenschaften zu viel zu bezahlen.
Ziel: null vermeidbare Verbrennungen in Ihren Teams.
Was ist die Norm EN 407:2004 und warum existiert sie?
Die EN 407:2004-Norm legt die Leistungsanforderungen für Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken fest. Das Europäische Komitee für Normung (CEN) schreibt strenge Tests vor, um Arbeitnehmer vor Hitze oder Kälte zu schützen.
Jeder getestete Handschuh trägt ein Piktogramm mit sechs Ziffern (von 0 bis 4), die die Schutzstufen gegenüber den verschiedenen auftretenden thermischen Gefahren angeben.

Eine europäische Norm zur Harmonisierung des Wärmeschutzes
Vor 2004 hatte jedes Land seine eigenen Vorschriften. Für Fachleute war es schwierig, Ausrüstungen miteinander zu vergleichen.
Die europäische Harmonisierung hat alles verändert: Ein nach EN 407:2004 zertifizierter Handschuh bietet heute die gleichen Garantien in Paris, Mailand oder Berlin. Diese Standardisierung vereinfacht den B2B-Einkauf und stärkt die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.
Die sechs bewerteten thermischen Risiken
Die Norm deckt das gesamte Spektrum beruflicher thermischer Risiken ab:
- Flammenbeständigkeit: Brenndauer nach Entfernen der Flamme
- Kontaktwärme: Isolierung beim Berühren heißer Oberflächen
- Konvektive Wärme: Schutz vor zirkulierender heißer Luft
- Strahlungswärme: Barriere gegen intensive Wärmestrahlung
- Spritzer von geschmolzenem Metall: Durchdringungszeit von glühenden Tropfen
- Kältekontakt: Isolierung gegen kalte Oberflächen
Wie werden Handschuhe nach der Norm EN 407:2004 getestet?
Jedes thermische Piktogramm auf Ihren Handschuhen ist das Ergebnis eines strengen Laborverfahrens. Die EN 407:2004-Zertifizierung umfasst sechs verschiedene Tests, von denen jeder ein spezifisches thermisches Risiko simuliert. Diese Protokolle stellen sicher, dass die angezeigten Ergebnisse reale, messbare und reproduzierbare Leistungen widerspiegeln.
Hier gibt es keine bloßen Behauptungen: Alles wird überprüft.

Die sechs Prüfprotokolle im Labor
Jeder Buchstabe des Piktogramms verweist auf einen spezifischen standardisierten Test. Test A bewertet das Brandverhalten, indem die Probe fünfzehn Sekunden lang einer vertikalen Flamme ausgesetzt wird. Anschließend werden die Entzündungszeit, die Brenndauer und die Bildung glühender Rückstände gemessen.
Test B überprüft die Beständigkeit bei Kontakt mit einer heißen Oberfläche zwischen 100°C und 500°C.
Durch die Berechnung der Zeit, bis die Innentemperatur einen kritischen Schwellenwert erreicht, simuliert Test C die konvektive Wärme, indem die Probe vor eine Flamme gehalten wird. Gemessen wird die Zeit, die benötigt wird, damit eine Temperaturerhöhung von 24°C das Material durchdringt.
Für Strahlungswärme setzt Test D den Handschuh einer kalibrierten Infrarotstrahlung aus, mit demselben Ziel eines Temperaturunterschieds. Diese beiden letzten Tests zeigen letztlich die Isolationsfähigkeit gegenüber Wärmequellen ohne direkten Kontakt.
- Test E: Beständigkeit gegen Spritzer kleiner Tropfen geschmolzenen Metalls (Anzahl der Tropfen ohne Durchdringung)
- Test F: Beständigkeit gegen Kontakt mit großen Mengen flüssigen Metalls (Masse, die erforderlich ist, um das Material zu durchdringen)
Methodik und standardisierte Bedingungen
Alle Tests folgen einem strengen Protokoll, das von der ISO definiert ist: konstante Umgebungstemperatur, kontrollierte Luftfeuchtigkeit und nach internationalen Standards kalibrierte Geräte.
Diese Reproduzierbarkeit ermöglicht einen objektiven Vergleich verschiedener Modelle, unabhängig davon, welches akkreditierte Labor die Tests durchführt. Bei Oxwork wählen wir ausschließlich Handschuhe aus, deren Ergebnisse von zertifizierten Stellen dokumentiert sind, wodurch die Zuverlässigkeit der auf jedem Produkt angegebenen Leistungsstufen gewährleistet wird.
Piktogramm und Leistungsstufen entschlüsseln
Auf jedem Paar Handschuhe, das nach der Norm EN 407:2004 zertifiziert ist, finden Sie ein thermisches Piktogramm mit einer sechsstelligen Zahlenfolge. Dieser Code gibt exakt die im Labor gemessenen Leistungswerte für jedes thermische Risiko an.
Wenn Sie ihn verstehen, können Sie die passende Ausrüstung für Ihre tatsächlichen Einsatzbedingungen wählen, ohne sich ausschließlich auf Marketingversprechen zu verlassen. Das Piktogramm stellt eine stilisierte Flamme dar und symbolisiert den Wärmeschutz.
Direkt darunter erscheint eine Zahlenfolge wie „4 2 4 3 X X“. Jede Position entspricht einem spezifischen Test, in einer festen Reihenfolge, die den Vergleich zwischen verschiedenen Modellen erleichtert.
Die Werte reichen von 0 (minimale Leistung oder kein Schutz) bis 4 (maximale Beständigkeit). Ein „X“ bedeutet, dass der Test nicht durchgeführt wurde oder der Handschuh keinen Schutz gegen dieses spezifische Risiko bietet.
Ein „X“ zeigt also an, dass kein Test durchgeführt wurde oder kein Schutz beansprucht wird.
Die sechsstellige Sequenz verstehen
Bevorzugen Sie die Stufen 3 oder 4 bei den entscheidenden Positionen, anstatt eines durchschnittlichen Wertes über alle Kriterien hinweg.
- Position A: Brandverhalten (Flammenausbreitung)
- Position B: Kontaktwärme (Beständigkeit von 100–500°C)
- Position C: Konvektive Wärme (direkte Flammeneinwirkung)
- Position D: Strahlungswärme (Nähe zu einer Infrarotquelle)
- Position E: Spritzer kleiner Mengen geschmolzenen Metalls
- Position F: Spritzer großer Mengen geschmolzenen Metalls
Oxwork-Tipp: Bestimmen Sie vor dem Kauf Ihre zwei wichtigsten thermischen Risiken. Bevorzugen Sie Stufe 3 oder 4 bei diesen Kriterien statt einer „durchschnittlichen“ Bewertung über alle Bereiche.
Praktische Beispiele für gängige Kennzeichnungen
Eine Kennzeichnung wie „4 2 3 2 X X“ zeigt einen soliden Schutz gegen Flammen (4) und konvektive Wärme (3). Allerdings sind die Leistungen bei Kontaktwärme (2) und Strahlungswärme (2) geringer. Es wurden keine Tests zu Metallspritzern durchgeführt.
Dieses Profil eignet sich für gelegentliche Einsätze in der Nähe offener Flammen, ohne das Handling heißer Gegenstände.
Im Gegensatz dazu ist ein Handschuh mit der Kennzeichnung „3 4 2 1 X X“ ideal zum Greifen von sehr heißen Teilen und bietet gleichzeitig einen ausreichenden Schutz gegen Entflammung. Allerdings bleibt er anfällig für Spritzer von geschmolzenem Metall.
Was PSA-Anbieter Ihnen über die Norm nicht sagen
Hersteller stellen ihre Zertifizierungen gerne in den Vordergrund. Was sie jedoch oft nicht erwähnen: Die Norm EN 407:2004 testet neue Handschuhe unter perfekten Laborbedingungen.
Im Arbeitsalltag kann dieser Schutz bereits nach wenigen Wochen intensiver Nutzung um 40 bis 60 % abnehmen. Verschleiß, Mikrorisse und industrielle Rückstände verschlechtern die thermische Leistung lange bevor sichtbare Schäden auftreten.
Ergebnis: Ein im Labor erreichter Wert von 4 garantiert keineswegs den gleichen Schutz nach drei Monaten täglicher Nutzung.

Grenzen der Norm, die sie nicht lösen kann
Ein oft übersehener Aspekt: Die Beständigkeit gegen Kontaktwärme deckt nur einen Teil des tatsächlichen Risikos ab. Dieser Wert misst die Zeit, die man eine heiße Oberfläche berühren kann, bevor es zu einer Verbrennung kommt. Er berücksichtigt jedoch nicht die kontinuierliche Exposition gegenüber Umgebungshitze, Spritzer von kochenden Flüssigkeiten oder Funken.
Aus diesem Grund kombinieren bestimmte PSA mehrere Normen: EN 388 für mechanische Risiken und EN 407 für thermische Risiken. Das Problem dabei: Diese Kombination führt zu einem Kompromiss – je höher der Wärmeschutz, desto geringer die Fingerfertigkeit.
Die richtigen Handschuhe je nach Tätigkeitsbereich wählen
Jede Arbeitsumgebung bringt ihre eigenen thermischen Anforderungen mit sich. Ein Handschuh, der in einer Gießerei leistungsstark ist, kann für eine industrielle Bäckerei völlig ungeeignet sein.
Die Norm EN 407:2004 definiert sechs verschiedene Tests, aber Sie müssen herausfinden, welche für Ihre Tätigkeit wirklich entscheidend sind. Nehmen wir ein konkretes Beispiel:
In der Metallindustrie stellen Spritzer von geschmolzenem Metall das größte Risiko dar. Sie benötigen Handschuhe mit hohen Leistungswerten in den Tests E und F.
Diese Tests decken sowohl kleine Tropfen als auch große Spritzer von geschmolzenem Material ab. Test A (Flammenbeständigkeit) ist ebenfalls relevant, steht jedoch an zweiter Stelle.
Im Gegensatz dazu arbeitet ein Bäcker mit Blechen bei 250°C ohne gefährliche Spritzer. In diesem Fall ist ausschließlich Test B (Kontaktwärme) entscheidend. Diese Unterschiede zu ignorieren kann zu kostspieligen Arbeitsunfällen führen.
Empfehlungen nach Industriezweig
Jeder Beruf hat sein eigenes spezifisches Risikoprofil. Schweißer sind hauptsächlich Strahlungswärme (Test D) sowie Spritzern feiner Partikel ausgesetzt.
In der Glasindustrie treten Kontaktwärme und Strahlungswärme gleichzeitig auf. Das erfordert ausgewogene Leistungen bei den Tests B und C.
Wartungsteams benötigen Vielseitigkeit, da sie die auftretende Wärmequelle nicht im Voraus kennen. Feuerwehrleute hingegen gehen weit über die in der Norm definierten Standardanforderungen hinaus.
Tabelle der empfohlenen Mindestwerte
| Sektor | Prioritäre Tests | Mindestwerte | Zu vermeidender Fehler |
|---|---|---|---|
| Gießerei | E, F, A | E3, F3, A1 | Test A vernachlässigen |
| Schweißen | D, E, A | D2, E2, A1 | Strahlungswärme unterschätzen |
| Glasindustrie | B, C, A | B2, C3, A1 | B/C-Gleichgewicht ignorieren |
| Bäckerei | B, A | B2, A1 | Unnötig überausstatten |
| Wartung | Alle | Ausgewogene Leistungen | Sich auf nur einen Test konzentrieren |
Diese Empfehlungen dienen als Ausgangspunkt. Ihre Risikoanalyse bleibt entscheidend, um diese Schwellenwerte an Ihre konkrete Situation anzupassen.
Häufig gestellte Fragen zur Norm EN 407:2004
Professionelle Einkäufer stellen häufig die gleichen Fragen. Das ist normal, wenn es um wichtige PSA-Budgets geht.
Konkrete Antworten auf die sechs Fragen, die in unseren Gesprächen mit Sicherheitsverantwortlichen immer wieder auftreten.
Zertifizierung und regulatorische Konformität
Die EN 407:2004-Zertifizierung ist zeitlich unbegrenzt gültig. Die Kennzeichnung bleibt bestehen, solange das Produkt seine ursprünglichen Eigenschaften beibehält.
Allerdings verschleißen Handschuhe durch den täglichen Gebrauch, häufiges Waschen und den Kontakt mit Chemikalien. Sie sollten Ihre PSA austauschen, sobald ein Riss entsteht, das Material dünner wird oder an Flexibilität verliert.
In intensiven industriellen Umgebungen sollte ein Austausch alle drei bis sechs Monate erfolgen. Bei gelegentlicher Nutzung reicht in der Regel ein Jahr.
Die französische Gesetzgebung verlangt zertifizierte Handschuhe bei jeder Exposition gegenüber extremen Temperaturen im beruflichen Umfeld. Bei Kontrollen durch die Arbeitsaufsicht gibt es in diesem Punkt keinerlei Toleranz.
Die EN 407:2004 lässt sich perfekt mit EN 388 für mechanische Risiken und EN 374 für chemischen Schutz kombinieren. Viele Handschuhe tragen mehrere Piktogramme gleichzeitig.
Die Version 2020 der Norm führt vor allem höhere Leistungsstufen und präzisere Testmethoden ein. Produkte, die nach der Version 2004 zertifiziert sind, bleiben konform, bieten jedoch niedrigere maximale Leistungswerte.
Oxwork-Tipp: Überprüfen Sie die Echtheit, indem Sie das vollständige Zertifikat des benannten Labors anfordern. Eine einfache Kennzeichnung reicht bei einem umfassenden QHSE-Audit nicht aus.
Schützen Sie Ihre Teams mit dem richtigen Wärmeschutz
Sie wissen nun, wie Sie das Piktogramm der EN 407:2004 entschlüsseln und die passenden Handschuhe für die Risiken Ihrer Tätigkeit auswählen. Die sechs Leistungsstufen gewährleisten, dass Ihre Mitarbeiter sicher gegenüber Hitze und Flammen arbeiten.
Beginnen Sie damit, die tatsächlichen Temperaturen an Ihren Arbeitsplätzen zu analysieren. Prüfen Sie, ob Ihre Teams heiße Teile handhaben, in der Nähe von Strahlungsquellen arbeiten oder Spritzrisiken ausgesetzt sind.
Um wirklich passende zertifizierte Handschuhe auszuwählen, analysiert das Oxwork-Team Ihre Anforderungen und empfiehlt Ihnen die geeignete PSA.
Sie profitieren von einer individuellen Begleitung – von der Produktauswahl bis zur Schulung Ihrer Teams. Ihre Mitarbeiter verdienen einen zuverlässigen und effektiven Wärmeschutz.